Format „Gesprächs-Analytisches Transkriptionssystem (GAT)“

Das Transkriptionsformat „GAT“ (Gesprächs-Analytisches Transkriptionssystem) dient der Verschriftlichung zum Zweck der Konversationsanalyse. Man unterscheidet zwischen Basistranskript, Feintranskript und Minimaltranskript:

Die Regeln:

Im Basistranskript werden Turns in Intonationsphrasen segmentiert, die durch einen kohäsiven Tonhöhenverlauf als zusammenhängende Einheiten wahrgenommen werden.
Tonhöhenbewegungen werden nur am Phrasenende aufgeführt, es wird unterschieden zwischen hoch steigend [?], mittel steigend [,], gleich bleibend [-], mittel fallend [;] und tief fallend [.].
Beim Akzent werden im Basistranskript nur der Fokusakzent in der Intonationsphrase [akZENT] sowie gesondert ein extra starker Akzent [ak!ZENT!] berücksichtigt.
Im Basistranskript werden direkt angeschlossene neue Turns durch [=] markiert sowie Dehnungen von Lauten je nach Dauer durch [:], [::] oder [:::].
Das Basistranskript kann auch interpretierende Kommentare mit Reichweite wie [<<erstaunt> was >] enthalten.

Das Feintranskript enthält über das Basistranskript hinausgehende Informationen, die vor allem den Bereich der Prosodie betreffen. So können hier Nebenakzente [akzEnt], Akzenttonhöhenbewegungen, auffällige Tonhöhensprünge nach oben oder unten (auch zum Gipfel oder Tal der Akzentsilbe) sowie veränderte Tonhöhenregister markiert werden. Auch Veränderungen der Lautstärke und der Sprechgeschwindigkeit können kenntlich gemacht werden.
Die Feintranskription ist nicht die Regel, da sehr aufwändig; sie ist vor allem für solche Linguisten interessant, deren Forschungsgebiete sich in Schnittstellen zwischen Konversationsanalyse und Intonationsphonologie, wie z. B. der Fokusphonologie, bewegen.

Das Minimaltranskript enthält den Wortlaut der Redebeiträge und Informationen zur Verlaufsstruktur des Gesprächs, also zu Überlappungen und simultanem Sprechen (in eckigen Klammern jeweils untereinander).
Es enthält Pausen, wobei diese entweder bis auf die Hundertstelsekunde gemessen [(1.74)] oder aber grob in Mikropausen [(.)], kurze [(-)], mittlere [(–)] und längere Pausen [(—)] unterschieden werden können.
In der groben Einteilung werden Pausen mit einer Länge von mehr als ca. einer Sekunde Dauer geschätzt, die Angabe erfolgt dann mit nur einer Stelle hinter dem Komma [(3.0)]. Als weitere segmentale Konventionen werden Ein-und Ausatmen unterschiedlicher Länge, wortübergreifende Verschleifungen [ham_wer], Verzögerungssignale (wie [äh]) und der Abbruch durch Glottalverschluss [ˀ] berücksichtigt.
Ferner führt das Minimaltranskript Lachen -in der Regel ausgeschrieben, aber auch in der Form [((lacht))] -, Rezeptionssignale ([ja], [hmhm] etc.) sowie para-und außersprachliche Handlungen und Ereignisse wie Husten, ebenfalls in doppelten Klammern, auf.
Vermutete Wörter, Laute oder Silben werden einfach geklammert, ebenso werden mögliche Alternativen an unklaren Stellen und unverständliche Passagen notiert.

Ein Beispiel (Basistranskript):
01 S1: ja:; (.) die VIERziger generation so;=
02 =das=s: !WA:HN!sinnig viele die sich da ham [SCHEIden
03 S2: [ja;
04 S1: lasse[n.=
05 S2: [hm,
06 S1: =oder scheiden lassen ÜBERhaupt.
07 S2: hm,
08 (–)
09 S1: heute noch-
10 (2.1)
11 s=is der UMbruch.
12 S2: n besonders GUtes beispiel das warn mal unsere NACHbarn.
13 (1.0)