Format „Talk in Qualitative Social Research (TiQ)“

Das „TiQ“-Format bedeutet „Talk in Qualitative Social Research“ und ist ein erweitertes sprachwissenschaftliches Transformationsformat für eine rekonstruktive Auswertung  von Transkriptionen

Die Regeln:

  • Buchstäbliche Transkription, Füllwörter, Verständnissignale und emotionale Äußerungen (mhm, lachen usw.) ausschreiben (siehe unten)
  • Großschreibung von Wörtern bei Neuansetzen eines/r Sprechers/in am Beginn nach einem └-Häkchen. ABER: nach Satzzeichen wird klein weitergeschrieben, um deutlich zu machen, dass Satzzeichen die Intonation anzeigen und nicht grammatikalisch gesetzt werden.
  • Zeilennummerierung zum Auffinden und Zitieren von Transkriptstellen für die Auswertung
  • Vermerk zu Beginn: Name der Passage, Beginn und Dauer, Kürzel oder Namen der Personen die transkribiert und korrigiert haben, Codename der Interview-Person/Gruppe
  • Dem Interviewer wird z.B. die Maskierung Y1 oder bei mehreren Y1 und Y2 zugewiesen; den Befragten wird ein Buchstabe zugeordnet mit Zusatz f (weiblich) oder m (männlich): z.B. Af und Bf für zwei teilnehmende weibliche Personen sowie Cm für einen männlichen Teilnehmer am Interview.

Abkürzungen:

Beginn einer Überlappung bzw. direkter Anschluss beim Sprecherwechsel
Ende einer Überlappung
(.) Pause bis zu einer Sekunde
(2) Anzahl der Sekunden einer Sprechpause
nein betont  (unterstrichen)
nein laut (fett geschrieben) in Relation zur üblichen Lautstärke des/r Sprechers/in
°nee° sehr leise (in Relation zur üblichen Lautstärke des Sprechers/der Sprecherin)
. stark sinkende Intonation (Punkt)
; schwach sinkende Intonation (Strichpunkt)
? stark steigende Intonation (Fragezeichen)
, schwach steigende Intonation (Beistrich / Komma)
viellei- Abbruch eines Wortes
oh=nee Wortverschleifung
nei::n Dehnung, die Häufigkeit vom : entspricht der Länge der Dehnung
(doch) Unsicherheit bei der Transkription, schwer verständliche Äußerungen
( ) unverständliche Äußerungen, die Länge der Klammer entspricht etwa der Dauer der unverständlichen Äußerung
((stöhnt)) Kommentare bzw. Anmerkungen zu parasprachlichen, nicht-verbalen oder gesprächsexternen Ereignissen; die Länge der Klammer entspricht im Falle der Kommentierung parasprachlicher Äußerungen (z.B. Stöhnen) etwa der Dauer der Äußerung. In vereinfachten Versionen des Transkriptionssystems kann auch Lachen auf diese Weise symbolisiert werden. In komplexeren Versionenwird Lachen wie folgt symbolisiert:
@nein@ z.B. lachend gesprochenes „nein“
@(.)@ kurzes Auflachen
@(3)@ 3 Sekunden Lachen
//mhm// Hörersignal des Interviewers, wenn das „mhm“ nicht überlappend ist.

Ein Beispiel:
Passage: Eingangspassage
Datum: …
Timecode: 00:00:10-2 – 00:….
Transkription: Vor- und Zuname
Korrektur: Vor- und Zuname
XY(1-6) … Gruppenname XY sowie Zeile 1 bis Zeile 6
1 Y1: Ich habe dir ja schon vom Thema meiner Arbeit erzählt, (2) und jetzt bitte ich dich einfach, dass
2 du mir schilderst, wie dich diese Sache in deinem norm- täglichen Leben ähm einschränkt.
3 #00:00:15#
4 Bm: Ähm (2) ich hab irgendwie so (2) @kein Vorwissen@, außer das, was ich … #00:00:….
5 Af: └Ja, @(.)@ puh::, ich auch nicht (seufzen) ┘#00:0…
6 Bm: Zu so=nem ähm, zu dem Thema … #00:0…